Wirbelsäulenprobleme-Behandlungs- und Prophylaxestrategien

Wirbelsäulenbeschwerden gehören zu den häufigsten Schmerzzuständen und sind daher fast allen Menschen bekannt. Entweder als plötzlicher Rückenschmerz bei Verrichtung bestimmter Tätigkeiten, oder als plötzlicher Schmerz im rechten oder linken Bein. Andere Menschen leiden dauerhaft unter diffusen Rückenschmerzen. Diese genannten Symptome beziehen sich eher auf die Lendenwirbelsäule. Wiederum andere Patienten wachen plötzlich morgens mit einem steifem Hals auf, oder verspüren, nach einem Handballspiel, mit heftigem Verdrehen des Kopfes, die Höchstform einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung im Halswirbelsäulenbereich mit Ausstrahlung in einen Arm.
    Es sind also entweder mehr oder weniger belanglose Ereignisse,
  • wie häufiges Bücken bei der Gartenarbeit, auch sogenanntes falsches Bücken bei der Gartenarbeit (dazu noch später weitere Ausführungen),
  • Sport incl. Krafttraining,
  • chronische Fehlbelastungen,
  • bzw. untrainierte Körperzustände
  • oder das bloße Nichtstun,
welche alle gemeinsam vermeintlich zu Rücken- oder Halswirbelsäulenbeschwerden führen können. Die immer wieder gestellte Frage nach dem Warum ist teilweise zu beantworten: Der Mensch als Lebewesen im sogenanntem aufrechten Gang auf 2 Beinen. Das ist zwar allen Menschen bekannt, doch genau dieser Umstand ist bereits ein Problem. Die Wirbelsäule hat sich zwar im Verlaufe der Evolution in Millionen von Jahren die Aufrichtung vom Vierfüßlergang- und Stand zum aufrechten Gang verändert, dennoch bedeutet unser Leben mit allen Komponenten der zivilisierten Welt teilweise eine erhebliche Belastung für das Achsenorgan.

Die sogenannte Schwingung, d. h. die gewollte natürliche Verbiegung der Wirbelsäule nach vorne im Bereich der Halswirbelsäule (ist gleich HWS-Lordose), sowie die BWS-Kyphose im Bereich der Brustwirbelsäule und wiederum die Lendenwirbelsäulenlordose, also aus der Seitenansicht eine S-Form, haben die Funktion, Stauchungskräfte, die im axialen-Sinne auf den Menschen einwirken, abzudämmen. Doch bereits diese Schwingung ist bei den Menschen entweder zu gering, oder fehlerhaft ausgebildet (Flachrücken, oder Hohlrundrücken).

    Zum anderen ist für unser Erwerbsleben erforderlich,
  • entweder starke körperliche Arbeit zu tätigen, so daß die Wirbelsäule im Grunde zu stark beansprucht wird und dieses schon oft im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt nicht mehr eine zu bewältigende Tätigkeit bedeutet und große volkswirtschaftliche Schäden durch Frühberentung entstehen.
  • zum anderen wird die Wirbelsäule einseitig belastet, beispielsweise bei ausschließlicher sitzender Tätigkeit.
Der Leser, bzw. Hörer ahnt es, es drängen sich hier bereits Forderungen nach Kompensations- und Gegensteuerungsmechanismen auf.

Es ist heute geradezu unumgänglich etwas für seinen Organismus, in diesem Falle den Bewegungsapparat zu tun. Und zwar am Besten nicht nur, und nicht erst wenn Schmerzen und Störungen beobachtet werden. Gewissermaßen, so wie ein geliebtes Auto mehrfach zur Inspektion und zur Kontrolle, sowie Pflege behandelt wird, nicht erst nach einem Unfall, oder Ausfallserscheinungen eine Reparatur vorgenommen wird, müßte auch unser Gesundheitsverständnis neu definiert werden.

Der oftmals beim Handball- oder Volleyballspiel entstehende, oder einfach nach dem morgendlichen Aufwachen beobachtete akute Schiefhals mit starken Schmerzen im Bereich des Schädel-Nacken-Überganges ist in den meisten Fällen durch eine Störung der Wirbelsäulensegmente, sprich eine Störung der Bewegungssegmente in den kleinen Wirbelgelenken zu suchen. Auf gar keinen Fall handelt es sich hier, wie leider immer wieder als Wort falsch verwendet, um eine Ausrenkung.

Eine Ausrenken von Gelenken im Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule ist nur durch einen Unfall mit starken Krafteinwirkungen möglich. Diese Blockierungen bereiten äußerst starke Schmerzen. Der Patient erscheint mit schiefgehaltenem Kopf, meistens auch Schonhaltung einer Schulter und eines Armes in der Praxis. In diesem Falle sind weder spezielle Übungen sinnvoll, oder machbar. Hier empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen, auf gar keinen Fall sollte kurz nach Eintritt dieser Ereignisse, unter Inkaufnahme von starken Schmerzen eine chirotherapeutische Intervention durchgeführt werden. Die Chirotherapie ist zwar auch hierfür eine exzellente Therapie, jedoch nicht im Erststadium. Zu Beginn steht eine medikamentöse, analgetische, d.h. Antischmerzbehandlung und eine muskelentspannende Behandlung, zusätzlich Wärmeanwendung. Zusätzlich kann ein sanfter stetiger Zug mittels Halskrawatte, genannt Cervicalstütze, da auch eine gerätetechnisch vorgenommene Extension der Halswirbelsäule allmählich zu einer Linderung der Schmerzen führen, so daß dann eine chirotherapeutische Intervention möglich und erfolgversprechend ist, ohne das der Patient davon verängstigt und schockiert wird.
Diese Reihenfolge wird nicht immer überall eingehalten und sollte daher vom Patienten auch gewünscht werden.

- Muskeln benötigen fast immer Wärmeanwendungen - Gelenke Kälteanwendungen

Die Schmerzen im Bereich des Rückens, im weitesten Sinne, können sich entweder als sogenannte Lumbago, auf das Kreuz mit seinem sogenannten Abbruchschmerz, wie immer wieder berichtet wird, beziehen. Dieses sind Schmerzen die nicht ins Bein ausstrahlen und somit nichts mit einem Bandscheibenvorfall zu tun haben.
Grundsätzlich gilt, das Schmerzen im Rücken die nicht ins Bein ausstrahlen durch die überbeanspruchten Abschnitte in der Lendenwirbelsäule und der mangelhaft ausgebildeten Muskulatur im Sinne eines Dekompensierungszustandes zustande kommen. Akut, oder meistens auf der Basis einer langfristigen Dekompensation, Beispiel: Bürotätigkeit ohne Ausgleichssport. Ischias, oder Lumboischialgie, oder Bandscheibenschmerzen: Verspürt ein Patient starke Schmerzen im Bein, meistens bis hin zum Fuß, an der Vorder- Außen-, Hinter- oder Innenseite, meistens in Verbindung mit Gefühlsstörungen sind Bandscheibenveränderungen zu erwarten.

Hier ist ganz wichtig noch eine dritte Komponente zu erwähnen, nämlich der Gesichtspunkt der Muskelkraft. Genau diese Komponente wird vom Patienten nicht so sehr bemerkt. Der Beinschmerz wird dadurch verursacht, das die Bandscheibe auf diejenigen Nerven drückt, die das Bein entweder an der Außen-, Innen- oder Hinterseite, versorgt.
Daher macht der Bandscheibenvorfall zwar auch Rückenschmerzen, , aber nicht nur, sondern auch Beinschmerzen. Wenn man sich in Rückenlage befindet und versucht, sein gestrecktes Bein anzuheben wird einem dieses bis höchstens einigen Zentimetern gelingen, im Falle eines akuten plötzlichen Bandscheibenvorfalles.
In sehr vielen Fällen sind die Bandscheiben jedoch auch chronisch geschädigt, so daß keine eigentlichen "Vorfälle", sondern lediglich Vorwölbungen bestehen. Diese Vorwölbungen haben an sich keinen Krankheitswert. Millionen von Menschen haben diese ohne jegliche Schmerzen. Diese Information ist wichtig, da im Falle einer MRT- oder CT-Untersuchung diesen Vorwölbungen (Protusionen) in den meisten Fällen große Bedeutung bei Patienten mit Krankheitsgewinn zuteil wird.

Ein ganz wichtiger Tatbestand ist folgender: Schmerzen die vom Gesäß etwa bis in den Oberschenkel ausstrahlen, können wie erwähnt, entweder durch die Lendenwirbelsäule bedingt sein, oder auch, und dieses ist in mindestens 80% der Fälle der Fall, durch eine Blockierung des Iliosacralgelenkes zu suchen. Dieses Gelenk befindet sich in zweifacher Ausfertigung unterhalb der Lendenwirbelsäule. Es ist ein Gelenk jeweils zwischen verschiedenen Beckenknochen, die unter anderem als Stoßdämpfer für die Wirbelsäule dienen.
Veränderungen, bzw. Störungen des Gelenkspieles in dieser Region führen zu genau den gleichen Schmerzen wie auch eine Bandscheibenveränderung. Es fehlen aber die Komponenten der Gefühlsstörung, sowie der Muskelschwächen, oder Muskellähmungen. Sie können durch eine chirotherapeutische Intervention, wie sie ein speziell dafür geschulter Arzt durchführen kann, gelöst werden, was meistens einen sehr frühzeitig eintretenden Schmerznachlaß, sowie ein Zugewinn von Beweglichkeit nach sich zieht. Zusätzlich können natürlich verschiedene Medikamente, teilweise oral, d. h. als Tablette zu sich genommen werden, oder verschiedene Injektionen in die Gelenke, im ungünstigsten Fall in das Gesäß, als reine Schmerzbehandlung durchgeführt werden.

    Was können wir nun vorbeugend, bzw. verbessernd tun, um unsere Rückenschmerzen zu minimieren, bzw. ganz zu verlieren:
  • Hält man sich wiederum einen im Büro tätigen Menschen vor Augen, wäre natürlich das Sitzmöbel von Bedeutung. Hier gibt es verschiedene Philosophien, die alle für sich Richtigkeit beanspruchen. Es haben sich jedoch in den letzten Jahren einige Gesichtspunkte durchgesetzt. Und dies wären z. B. bestimmte Funktionen, die ein Stuhl besitzen soll (es besitzt auch jeder etwas bessere Mittelklassebürostuhl diese Funktion, es muß sich nicht um einen exorbitant teuren, sogenannten orthopädischen Stuhl handeln, wie ihn einige Behörden für ihre Mitarbeiter, von unseren Steuergeldern, erwerben). Die Sitzfläche muß nach vorne unten klappbar sein, so daß man gewissermaßen bergab sitzt. Dieses hat eine Aufrichtung der Wirbelsäule zur Folge. Des weiteren muß die Lendenwirbelsäule etwas gestützt werden, durch eine Lordosenstütze. Diese Lordosenstütze sollte auch in einem PKW vorhanden sein, leider ist das serienmäßig nicht der Fall und muß in den meisten Fällen immer noch mit einem Aufpreis erworben werden. Diese Investition empfiehlt sich jedoch sehr. Des weiteren ist die Höhe des Schreibtisches von Bedeutung, sowie die Anordnung der Bildschirme. Ganz allgemein gilt, das es immer als willkommen angesehen werden soll, vom Schreibtisch aufzustehen und einen Gang vornehmen zu können, sei es Akten zu besorgen, oder ähnliches.
  • Das Gegenteil zu dieser Berufsgruppe, ein schwer arbeitender Tiefbauarbeiter, oder jemand aus dem Baugewerbe, muß andere Dinge berücksichtigen, kann es in den meisten Fällen leider nicht tun. Hier mag es als blanker Hohn, oder Ironie erscheinen, wenn verschiedene Ratschläge für die Arbeitszeit gegeben werden sollen. Schweres Heben ist hier immer noch an der Tagesordnung, trotz möglicher maschineller Ausstattung. Auf jeden Fall sollte jemand, der schwer körperlich arbeitet, nicht auch noch Übergewicht besitzen und allenfalls bedenken, daß schweres Heben von Lasten, sofern möglich, in mehreren Gängen, durchgeführt werden soll. Diese Personenkreise müssen bedenken, das sie trotz ihrer schweren körperlichen Arbeit nicht unbedingt alle wichtigen kompensierenden Muskelgruppen in gut ausgebildeter Funktionsform besitzen. Auch diese Leute sollten sich von einem Physiotherapeuten, am besten in einem Fitneßstudio beraten lassen und einige Durchgänge mit dem Physiotherapeuten trainieren.
Und hier sind wir bereits bei den behandelnden Personen, nämlich den Physiotherapeuten. An erster Stelle steht hier die Krankengymnastik, im Grunde genommen an zweiter ebenso und an dritter die Massage. Die Massage ist eine allenfalls das Gewebe lockernde, durchblutungssteigernde Therapie, die natürlich keine einzige Muskelfaser stärkt. Dieses erstaunt immer noch viele Menschen, wenn man es in dieser Form erwähnt. Allein das aktive Üben und betätigen von Muskelgruppen stärkt den Bewegungsapparat. Dieses kann jedoch aufgrund unser aktuellen gesundheitspolitischen Lage mit Drangsalierung der Ärzteschaft, in Form der Budgets, nur durch eine Art Anlernen von bestimmten Übungen erfolgen. Auf keinen Fall kann solange auf Rezept therapiert werden bis keine Beschwerden mehr vorhanden sind. Dieses ist ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, der vernünftigerweise verstanden werden muß. Je nach Alter, für jüngere, oder junggebliebene Leute ist das Üben in einem Fitneßstudio mittel- und langfristig attraktiver. Hier sollte aber besonders darauf geachtet werden, das Übungen mit axialer Stauchung der Wirbelsäule, oder auch zu energisches Betätigen der Beinpresse mit zu hohen Gewichten tunlichst zu unterlassen ist. Die Übungen im Einzelnen können natürlich nicht in Schrift- und Ton vermittelt werden, sondern müssen von Physiotherapeuten direkt vor Ort erlernt und durchgeführt werden.

Eine weitere wichtige Komponente ist das Bewegen im Wasser, sprich das Schwimmen. Allein die Tatsache, das der Mensch zum größten Teil aus Wasser besteht, führt dazu, daß man sich im Wasser, sozusagen aus Sicht der Gelenke in Schwerelosigkeit bewegt. Aus diesem Grunde werden die Gelenke schonender bewegt und die Muskeln gestärkt. Das Schwimmen ist eine ganz wichtige Ausgleichsfunktion und sollte immer durchgeführt werden. Lappalien wie "das Wasser ist mir zu kalt", "ich mag nicht so gerne Chlor", sollten hinten angestellt werden, da die positive Wirkung sicher in den meisten Fällen eintreten wird.

In nicht wenigen Fällen werden alle diese Dinge vom Patienten treu berücksichtigt, es werden zahllose Tätigkeiten unternommen, incl. Muskelstärkung usw. und dennoch bestehen starke Schmerzen. Begleitend zu diesen Therapien müßten diagnostische Sicherheiten vorliegen, daß nicht spezielle Erkrankungen, Entzündungen von Wirbelkörper oder Gelenken, Bandscheibenvorfälle, oder Tumorerkrankungen vorliegen.


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