Erste Patenschaft des Demenzprojektes seit einem Jahr erfolgreichSo schlecht sich Christa Schuldt als hochgradig Demente im realen Leben zurechtfindet, so hochsensibel ist sie für alle Stimmungen im Haus und zeigt allen deutlich ihre eigenen Gefühle. Längst kann sie sich nicht mehr mit Worten an Gesprächen beteiligen, zeigt aber beispielsweise offen mit kraus gezogener Stirn, wenn sich ihre Mitmenschen zu laut miteinander unterhalten. "Was für ein Glück, dass ich Haushalt und Büro unter einem Dach habe", denkt sich oft ihr Ehemann Hans Schuldt. Er ist Steuerberater und betreibt sein Geschäft seit eh und je von daheim aus - abgesehen von gelegentlichen Besuchen bei Mandanten. Nun schon seit Jahren hat er während seiner Arbeit immer ein Ohr und ein Auge bei seiner Frau, kann eingreifen und gefährliche Situationen verhindern. Viel Geduld, große Gelassenheit - und vor allem seine Liebe zu ihr lassen ihn das ertragen. Dabei wiederholt sich für den Mann ein Stück seines Lebens: Er pflegte auch schon im eigenen Haus seine Schwiegermutter, und noch während er sie betreute, erkrankte seine Frau. Kein Wunder, dass das fast seine Kräfte überstieg. Vor einem Jahr stieß er auf die Entlastungsangebote des Demenzprojektes "Beratung - Betreuung - Begegnung". Seit dem holt er sich regelmäßig Hilfe ins Haus. Wenigstens an zwei Tagen pro Woche für zwei Stunden kann er tun und lassen, was er will. Dann weiß er seine Frau in der Obhut von Heinke Franzen aus St. Michaelisdonn. Sie ist eine "Patin", wie die Pflege-Management Dithmarschen ihr Hilfsangebot nennt. Schon der Begriff soll andeuten, dass es nicht um hauswirtschaftliche oder pflegerische Aufgaben geht, sondern um menschliche Zuwendung. "Sie freut sich, wenn ich komme, lacht und summt Kinderlieder vor sich hin", erzählt Heinke Franzen, der die Aufgabe sichtlich Freude bereitet. Sie ist dann für zwei Stunden Christa Schuldts ständige Begleiterin, mal gehen sie spazieren, mal schauen sie sich Bücher an - "am liebsten Backbücher." Heinke Franzen, die in ihrer eigenen Familie drei Kinder groß zog, arbeitete 18 Jahre in einem Pflegeheim und kennt daher die Unterschiede zwischen beiden Lebensformen. "Ich genieße es, mich ganz auf einen Menschen konzentrieren zu können", schildert sie die Vorteile der neuen Aufgabe. Hier könne sie gezielt fördern, was Christa Schuldt noch selbst kann. "Ich lasse sie machen, was sie möchte, springe nur ein, wenn etwas nicht mehr geht." Das geht nur gut, bestätigt Hans Schuldt diesen Weg, wenn man kein Mitleid habe, sondern Mitgefühl. Für ihn steht jedenfalls fest: "Nach all den Jahren gemeinsamen Lebens - da bleibt sie so lange es irgend geht bei mir." Angehörige oder ehrenamtlich Interessierte erhalten weitere Informationen zum Demenzprojekt unter 0481/902-51 (Cornelia Voigt). |